Willkommen

Herzlich Willkommen. Auf dieser Webseite finden Sie eine Übersicht meiner derzeit angebotenen Kurse, Vorträge, Experimente usw, zu einigen solcher Themen, die ich derzeit für gesellschaftlich besonders relevant und als bearbeitungbedürftig erachte. Am Ende der Seite finden Sie außerdem eine Auswahl an anstehenden und vergangenen Terminen. Gerne gebe ich auch per Mail Auskunft über mögliche Termine in Ihrer Nähe.

Mein Angebot konzentriert sich vor allem auf die gesellschaftlichen Herausforderungen des digitalen Wandels und den hiervon begleiteten Phänomenen und Diskussion um Populismus, Entscheidungsfindung und den Wandel des Politischen. Hierfür versuche ich Ansätze der politischen Ökonomie, der System- und Medientheorien, sowie der ökonomischen Verhaltensforschung zusammen zu bringen, und auf ansprechende Weise so aufzubereiten, dass sie auch einem nicht-akademischen Publikum verständlich sind, ohne auf mehr als notwendige Vereinfachungen zurück zu greifen.

Wichtig ist mir vor allem, einen Bezug zwischen verschiedenen Perspektiven herzustellen, und auch die Ambivalenz möglicher Interpretationen mit zu denken. Ich möchte also vor allem dazu befähigen, die richtigen Fragen zu stellen, statt zu behaupten, eine einfachen Antwort auf komplexe Fragestellungen bieten zu können. Die Notwendigkeit, hier die richtige Sprache zu sprechen verstehe ich nicht nur als eine der derzeitigen Hauptherausforderungen unserer Zeit, sondern auch als Anspruch an mich selbst.

Der Erfolg dieses Ansatzes bestätigt sich für mich nicht nur in der steigenden Anzahl und Unterschiedlichkeit von Anfragen, sondern vor allem durch die direkten Reaktionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Angebote.

Wenn Sie mehr über mich, meine bisherige Arbeit und Partner erfahren möchten, dann empfehle ich Ihnen einen Blick auf meine Kurzvita. Wenn Sie Interesse an einem der angebotenen Themen, sowie möglichen Formaten haben, dann schreiben Sie mich gerne unverbindlich an.

Um einen ersten, und groben Überblick über die behandelte Gesamtfrage anzubieten, seien um Folgenden einige Punkte skizziert:

 

Worum geht es?

Unsere Gesellschaften verändern sich immer schneller – und mit ihr die unterschiedlichen Interpretationen, Ansprüche, Hoffnungen und Ängste.
Die Digitalisierung durchdringt Privatleben, Politik und Wirtschaft – und rüttelt überall an bestehenden Ordnungsfiguren. Die demographischen und ökonomischen Veränderungen verstärken den strukturellen Wandel zusätzlich. Die elektronische Vernetzung hat außerdem die Globalisierung weiter beschleunigt, und verdeutlicht, dass Entscheidungen immer innerhalb eines Netzes aus unterschiedlichen Akteuren und ihrer weit gefächerten Interessen getroffen werden. Der Umgang mit der Erderwärmung und anderen globalen wie individuellen Problemstellungen führt uns dabei die Beschränkungen menschlicher Erkenntnis- und Handlungsfähigkeit vor Augen.
Während all diese Veränderungen für sich genommen bereits genug Herausforderung darstellen könnten, kommen sie alle gleichzeitig zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns mit einem neuen Kommunikationsmedium und seinen Chancen und Risiken auseinandersetzen müssen.

Überforderte Gesellschaft

Die sich ergebenden Veränderungsforderungen kommen nun von allen Seiten auf unsere Institutionen zu, und artikulieren sich – historisch nicht ungewöhnlich – zunächst nicht vorrangig konstruktiv, sondern vor allem in dem Versuch, bestehende Institutionen auf Grund ihrer Unzulänglichkeiten zu zerschmettern. Diese wiederum reagieren entsprechend heftig und absolut. Medien, Politik und „besorgte Bürger“ beschimpfen sich gegenseitig als „Pack“, „Chaoten“, „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ oder werfen sich „Propaganda“, „FakeNews“ und „Populismus“ vor – und fühlen sich dabei jeweils als Vertreter einer vermeintlichen Mehrheit; oder eben jener Minderheit, die einzig in der Lage ist, das Offensichtliche zu erkennen.
Unabhängig davon, wo man sich in diesem Konflikt verordnen möchte, wird eine Sache also zunehmend deutlich: Wir haben immer weniger die Wahl zu entscheiden, ob wir uns weiter auf gegebene Institutionen wie das Wissenschaftssystem als Setzer von Wahrheit, das Mediensystem als Überbringer objektiver Nachrichten oder das Bildungssystem als einzig richtige Instanz zur Bildung mündiger Bürgerinnen und Bürger verlassen – oder diesen fragilen Komfort aufgeben und uns den längst erkennbaren Herausforderungen stellen. Die Entscheidung gegen ein „weiter so“ wurde längst gefällt. Nun geht es darum, heraus zu finden, wie Alternativen aussehen können. Wie können neue Denkfiguren und Institutionen aussehen, die den Kommunikations- und Sinnüberschuss der neuen Medien verarbeiten, ohne zu überfordern?

Die Entscheidung
gegen ein „weiter so“
wurde längst gefällt.

Wie bereist angekündigt, kann und will die Frage hier nicht beantwortet werden. In einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen sinnvoller Erwähnung und notwendiger Lesbarkeit, seien hier jedoch zumindest eine mögliche Anforderungen an eine nächste Gesellschaft, bzw ihre Übergangskonfigurationen aufgeworfen.

 

Grenzziehung, Identität und Populismus

So erfordert die höhere Durchlässigkeit und Verfügbarkeit von Informationen (aber auch von Dingen, Dienstleistungen und Menschen) neue Abgrenzungs- und Identifikationsmechanismen. Um nicht an Überforderung oder Überreizung zu zerbrechen, muss jedes System – sei es nun Individuum oder Kollektiv – unter den Bedingungen der Globalisierung und der Digitalisierung neu über das Verhältnis von Durchlässigkeit und Abschottung nachdenken. Es kann sich schließlich erst dann gegenüber meiner Umwelt verhalten, wenn es (wieder) weiß, wo seine Grenze verläuft, wenn es „aussen“ und „innen“ unterscheiden kann. Grenzziehung ist somit notwendiges Werkzeug, um Komplexität zu reduzieren und handlungsfähig zu werden.
Wenig überraschend wird dieser Konflikt auf der politischen Bühne am lautesten vor allem zwischen seinen Extremen „Grenzen dicht“ und „Open Border“ ausgetragen. Das bedeutet aber nicht, dass auf individueller Ebene nicht die gleiche Frage nach dem Grad der zugelassenen Irritation geführt wird. Diese Konfliktebenen hängen eng miteinander zusammen und jede Überforderung des Individuums kann sich in einer kollektiven Forderung nach Vereinfachung äußern. Das Erstarken des Populismus kann hier als eine der Folgen individueller und kollektiver Überlastungserscheinungen verstanden werden und unterstreicht, wie notwendig es ist, dass wir Populismus neu bewerten – und uns stärker mit seinen Ursachen und Folgen auseinandersetzen.
Eine gefährliche Methode der Komplexitätsreduzierung und Abgrenzung kann in dem hoffnungslosen Versuch bestehen, „das Andere“ und seine Ansprüche vollständig zu negieren. Es ist offensichtlich, dass es notwendig ist, alternative und konstruktivere Formen zu entwickeln, bevor sich der abzeichnende politische Konflikt noch weiter verschärft.

Vertrauenskrise und Krise der Institutionen

Die neu aufkommenden Anforderungen betreffen nicht nur das Individuum und den Staat, sondern alle bestehenden Vertrauensverhältnisse. Wenn wir „Vertrauen“ als „auf Erfahrungen gestützte Zukunftserwartungen“ verstehen, dann zeichnen sich deutlich die Ursachen der umfassenden Vertrauenskrisen in Politik und Wirtschaft ab. Einerseits erweitert sich derzeit der Raum individueller Handlungsmöglichkeit auf Kosten des als sicher anzunehmenden gemeinsamen Erfahrungshorizonts. Andererseits ergeben sich eine Vielzahl neuer Erfahrungen gerade als Konsequenz gescheiterter Zukunftsprognosen. Zusätzlich führt die Möglichkeit, alle Aussagen und Handlungen anderer Akteure mit wenigen Klicks einer weiteren Perspektive gegenüber zu stellen, zu einem Anstieg der wahrgenommenen Fehleranfälligkeit. Wie soll sich Vertrauen gegenüber einer Institution entwickeln, die zwar längst unter den neuen Bedingungen der gesteigerten Transparenz wahrgenommen und bewertet wird – sich selbst aber immer noch als unantastbare Autorität verhält?
Während sich diese Krise in der Wirtschaft vor allem durch den schnellen Aufstieg und Untergang neuer Firmen und Geschäftsmodelle bemerkbar macht, muss sie Politik und Medien mit besonderer Wucht und ohne viel Vorbereitungszeit treffen. Die derzeitigen Versuche, durch selbst erstellte „Faktenchecks“ die eigene Autorität aufrecht zu erhalten, zeugen leider von dem falschen Verständnis der derzeitigen Angriffsrichtung. Auf die Schwierigkeiten der Transparenz kann möglicherweise nur mit noch mehr Transparenz geantwortet werden. Die eigene Zuverlässigkeit als Netzwerkpartner und Informationsquelle kann nur verbürgt werden, wenn die eigenen Leistungskapazitäten und -grenzen mitkommuniziert werden.
Das scheint für die derzeitige Gestaltung einzelner Systeme ein fast unmöglicher Schritt zu sein – lebt doch beispielsweise die Politik gerade von der Behauptung der Omnipotenz. Besonders hier ist jedoch ein Umdenken und das Experimentieren mit neuen Formen notwendig – denn die Alternative zu einer Ergänzung dieser Systeme, besteht in ihrer vollständigen Ablehnung durch immer größere Bevölkerungsteile.

Die richtige Sprache sprechen

Eine weitere Herausforderung ist die Entfaltung immer kleinerer Nischen. Nicht nur Produkte und Dienstleitungen können dank Computertechnologien in immer kleineren Stückzahlen auf jedes Individuum angepasst werden, sondern auch Meinungen und Diskurse entbehren zunehmen der Notwendigkeit zahlreicher Normen. Für jede Meinung findet sich im Netz eine kritische Masse, die ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Gefühl vermitteln kann, Teil einer schweigenden Mehrheit zu sein.
Dass Menschen Deutschland für eine Firma halten oder sich auch noch abstrusere Verschwörungstheorien größerer Beliebtheit erfreuen, ist aber nicht zuletzt auch darauf zurück zu führen, dass hier Kommunikation gescheitert ist, weil ihre Elemente nicht für die Bedingungen der Digitalität geschaffen wurden. Einerseits genießen die jeweiligen Institutionen wie bereits angesprochen nicht mehr das nötige Vertrauen, um einen Konsenzvorschlag mit hinreichender Autorität zu formulieren. Andererseits gelingt es ihnen nicht, anschlussfähige Formulierungen zu entwickeln. Die zunehmende Unberechenbarkeit der Empfänger und Sender einer Nachricht, sowie ihrer jeweiligen Motive oder ihres Kenntnisstands fordert nicht nur ein Bemühen nach einer universelleren Sprache, sondern liefert erneut Argumente für die Behauptung, dass der Kontext einer Aussage mitgeliefert werden muss – was vermutlich vor allem durch eine gesteigerte Transparenz gewährleistet werden kann.
Auch bei dieser äußerst verkürzten Darstellung möglicher Konfliktfelder während eines Übergangs von einer Gesellschaft in die nächste, wird eine Sache schon hier hinreichend deutlich: wenn wir diese Herausforderungen meistern wollen, dann muss es uns gelingen, zukünftig mit denjenigen zu sprechen, die unsere Botschaft erreichen soll, in der richtigen Sprache zu sprechen.

Echte Diversität und Anti-Fundamentalismus

All diese Entwicklungen lassen sich womöglich so zusammenfassen, dass wir es mit dem Hereinbrechen zahlreicher neuer Wirklichkeiten, Weltinterpretationen und damit verbundener Anforderungen zu tun haben. Auf diese Situation ist zumindest „der Westen“ nicht vorbereitet. So hat er zwar schon lange den Anspruch der Inklusion formuliert, doch stets innerhalb eines genau definierten Rahmens. Der nun notwendige Pluralismus fordert jedoch mehr, als nur wahrzunehmen, dass es die andere Meinung gibt und diese möglicherweise „interessant“ zu finden. Es scheint nun endlich darum zu gehen, tatsächliches Verständnis für die Perspektiven und Begründungen des Gegenübers zu gewinnen und gemeinsam nach einem neuen Wertefundament zu suchen, auf das sich alle Seiten gleichermaßen stützen können. Während wir längst begriffen haben, dass es sinnvoll ist, Teams aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen zu stellen, fehlt uns vielfach noch der Mut, dies auch mit ideologischen Einstellungen oder kulturellen Wertvorstellungen auszuprobieren.
Wie auch immer sich diese Form des Miteinander statt nur nebeneinander zum Schluss aussehen sollte, es ist dringend geboten, nach ihr zu suchen – denn auch hier sieht die sich abzeichnende Alternative aus Antipluralismus und Kollektivismus düster aus.

Es gilt also wie immer: Vor und liegen Chancen und Risiken

Unsere Gesellschaft durchläuft derzeit also verschiedene Transformationsprozesse. Die Ordnungsmuster der Gesellschaft beginnen sich neu zu formen, Abhängigkeits- und Interdependenzverhältnisse müssen sich neu justieren – und das hierfür notwendige Vertrauen erst noch geschaffen werden. Einige individuelle oder gesellschaftliche Strukturen werden diesen Wandel unbeschadet überleben, andere werden sich signifikant verändern, oder gar ganz verschwinden. Dies stellt Individuen, Organisationen und Staaten gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Und wohin wir auch blicken: überall eröffnet sich derzeit eine Vielzahl neuer Chancen und Risiken.
Auf der einen Seite sehen wir eine Gesellschaft, die als Reaktion auf ihre Überforderung mit Populismus, Antiliberalismus und autoritären Strukturen liebäugelt. Auf der anderern Seitekönnen wir ein Anwachsen partizipativer Projekte und ethischer Ansprüche beobachten; Konzepte wie Demokratie und Gerechtigkeit werden neu diskutiert und die utopischen Verheißungen des Netzes lautstark eingefordert.
Nun könnte der entscheidende Moment gekommen sein, an dem wir den Mut haben müssen, mit neuen Formen des Zivilen und Politischen zu experimentieren. Dabei werden wir zweifelsohne Sackgassen erreichen und Fehler machen müssen. Dabei handelt es sich jedoch sehr wahrscheinlich um notwendige Zwischenschritte, die auf der Suche nach einer neuen Ordnung immer gegangen werden und gegangen werden müssen.
Vor welcher Gesellschaft wir am Ende stehen werden, ist noch unklar. Wenn Sie vor knapp 5000 Jahren jemanden gebeten hätten, Ihnen einen grobe Prognosezu geben, welchen Einfluss wohl die Einführung der Schrift auf die Gesellschaft haben werde, dann hätte das ähnlich scheitern müssen, wie dieser Versuch heute scheitern muss. Gewiss ist nur, dass wir aus dieser Situation verändert hervorgehen werden.
Ohne also eine abschließende Antwort geben zu können, möchten meine Texte und Vorträge einen Beitrag dazu leisten, füreinander die richtige Sprache zu finden, Vertrauen durch Verständnis aufzubauen – und so einen kleinen Beitrag zum Aufbau einer friedfertigen nächsten Gesellschaft zu leisten.

 

Gerne lade ich Sie auch zu einem meiner folgenden Termine ab dem WS 17/18 ein:

18.11.2017 Podiumsdiskussion „Fake it ‚til you believe it“ beim KFFK des Filmforum NRW, Köln
21.11.2017 Populismus und Identitätskrise, Hattingen
22.11.2017 Menschenrechte im digitalen Zeitalter, Lemgo
23.11.2017 Volkes Stimme? Populismus auf dem Vormarsch, Dinslaken
27.11.2017 Volle Kontrolle? Welchen bewussten Einfluss haben Facebook und Co. auf unser Leben, unsere Politik und unsere Gesellschaft?, Höxter
28.11.2017 Worte, Wahrheit, Widersprüche: Digitalisierung und Menschenrechte, Münster
06.12.2017 Kulturführerschein Gütersloh: Digitalisierung als Kulturprozess
13.12.2017 Privatsphäre und Datenschutz im digitalen Zeitalter, Erkrath
25.01.2018 Wahrheit und Populismus: Komplexität und Reduktion, Münster
06.02.2018 Populismus, Herford
14.02.2018 Keynote: Leben, Lieben, Liken: Fachtagung Digitalisierung der Diakonie RWL, Köln
15.02.2018 Digitaler Exkurs: Die Suche nach Wahrheit im Netz, Gütersloh
21.02.2018 Populismus und Identitätskrise, Bergkamen
22.02.2018 Digitale Öffentlichkeit(en) – Filterbubbles, Verschwörungstheorien, FakeNews, (Selbst-)Radikalisierung, Castrop-Rauxel
26.02.2018 Die Krise des Liberalismus, Hattingen 27.02.2018 Menschenrechte im Digitalen Zeitalter, Recklinghausen
05.03.2018 Diskussion: Politische Runde, Wuppertal
06.03.2018 Populismus, Brühl
07.03.2018 Kapitalismus und Freiheit, Ratingen
12.03.2018 Kapitalismus, Brühl
13.03.2018 Digitale Öffentlichkeit, Recklinghausen
15.03.2018 Die digitale Überforderung: Populismus und Identitätskrise, Gütersloh