Kategorie: Vorträge, Workshops, …

Wie kann es sein, dass hier derart verschied erscheinende Kurse, Workshops und Experimente angeboten werden? Kann sich jemand überhaupt auf all diesen Gebieten hinreichend auskennen, um etwas dazu sagen zu können?

Die Demokratie gilt nicht nur deswegen als gute Staatsform, weil sie von allen bekannten Modellen am besten geeignet erscheint, den tatsächlichen Willen der Bevölkerung widerzuspiegeln, sondern auch, weil sie geeignet sei, das verteilte Wissen der Vielen politisch nutzbar zu machen. „Demokratisierung“ kann in machen Kontexten gar als Synonym für „Fortschritt“ gedacht werden. Als einziger Anwärter, der in Frage kommen würde, dieses Modell – in all seinen unterschiedlichen Facetten, mit denen es auf der Welt vorkommt – noch zu übertrumpfen gilt manchen die „direkte“ Demokratie. Die Digitalisierung lässt diese Positionen lauter werden, und fordert ein „Update unseres“ bestehenden Systems.

In Anbetracht dieser Entwicklungen lohnt es sich, einen Blick auf die Risiken und Chancen von verschiedenen demokratischen Diskursverfahren zu werfen und die wichtige Frage zu stellen: Wann sind die Vielen tatsächlich schlauer als die Wenigen – und wann ist es umgekehrt?

Wenn wir „Identität“ als vollständige Übereinstimmung mit einer bezeichneten Sache verstehen wollen, dann ergeben sich für dieses Konzept derzeit mehrere Schwierigkeiten. Einerseits verlangt das Hereinbrechen der elektronisch vermittelten Globalisierung, uns zu vielen Dingen neu oder erstmals zu positionieren. Wir müssen hier gewöhnlich erst herausfinden, mit was wir „übereinstimmen“ möchten. Andererseits kann diese Zuordnung auch immer nur in Abgrenzung von etwas anderem geschehen. Wir müssen also definieren, was alles nicht zu uns gehört. Hinzu kommt, dass die durch technische Prozesse stark gestiegene Transparenz unserer Lebensaspekte den Druck zur Authentizität erhöht. Punktuelle Abweichungen vom gesellschaftlichen Durchschnitt sind heute tolerierter als früher, müssen aber ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Individuelle, als auch kollektive Identität liegt also vielfach neu auf dem Verhandlungstisch, und noch nie waren es so viele Teilnehmer*innen(!), die um ihre Deutung und Bedeutung gerungen haben.

Die Art und Weise wie eine Gesellschaft miteinander kommuniziert und Informationen verarbeitet, ist vielerlei Hinsicht maßgeblich für ihre Struktur, ihr Werte- und Ordnungssystem. Eine Gesellschaft, die nur auf Kommunikation durch das mündliche Wort beschränkt ist, muss andere Wege der Verteilung von Ressourcen und Kompetenzen finden, als eine solche, die mittels Schrift, Buchdruck oder Elektronik über immer größeren Raum und mit immer geringerer Zeitverzögerung kommunizieren kann.

Der Umbruch solcher Ordnungen erfolgt dabei niemals ohne Reibung. Vielmehr lassen sich zahlreiche aktuellen Konflikte an den Verhandlungen rund um die Möglichkeiten und Grenzen neuer Medien ausmachen. Was kann mit ihnen transportiert werden, welche Form können sie annehmen?

Der Vertrauensverlust in bestehende Expertensysteme ist Ausdruck ihrer Überforderung und gibt einen Hinweis darauf, dass die meisten ihre aktuelle Krise vermutlich nicht überleben werden.

Wir leben in einer Welt, die immer stärker vom Umgang mit einer Unzahl von Informationen geprägt ist. Wir müssen uns zu mehr und mehr Dingen verhalten und Position beziehen. Das erfordert, dass wir uns überhaupt erst eine Meinung gebildet haben. Diese Meinung kommt aber nicht immer unter rationaler Abwägung aller Sachgründe zu Stande, sondern begründet sich vielfach auf Intuition, sozialer Wahrnehmung oder Vorurteilen. Die moderne Verhaltensforschung trübt unser Bild vom homo oeconomicus und dem rationalen Agenten, und erfordert, dass wir uns Gedanken machen, wie objektiv wir unsere Welt tatsächlich erfassen können – und welchen systematischen Verzerrungen wir erliegen.

Nicht erst seit dem wahrgenommenen Anstieg der Flüchtlingsbewegungen Richtung Europa im Jahr 2015 können wir beobachten, wie die Digitalisierung auch die Mobilität der Menschen rund um den Globus verändert hat. Die leichtere Zugänglichkeit von Informationen über das anderen Ende der Welt ermöglicht uns nicht nur, unser Hotel vor dem Urlaubsantritt zu bestaunen, live Ereignisse in Kriegsgebieten zu beobachten – sondern auch, zu erkunden, wo sich möglicherweise bessere Lebensbedingungen für eine Person oder Familie auftun. Die Digitalisierung trägt damit einen großen Teil zu den gestiegen Menschenbewegungen rund um den Globus bei.

Egal ob von rechts oder links, Populismus und Abgrenzung scheinen weltweit auf dem Vormarsch. Während unsere Probleme immer globaler und komplexer zu werden scheinen, fallen die Antworten scheinbar immer kleiner und einfacher aus: Grenzen dicht und Globalisierung zurück schrauben. Worin liegen die verschiedenen Ursachen dieses multinationalen Phänomens, welchen Beitrag leisten Digitalisierung und Globalisierung?

Die Macht der Computer scheint unbegrenzt. Ihre Algorithmen erfassen und bewerten unsere gesamte Lebenswelt und scheinen jeden einzelnen von uns berechenbar zu machen. Egal ob es um unsere Konsumentscheidungen, unsere politischen Überzeugungen oder unsere sexuelle Orientierung geht – es heißt, der Computer wüsste mehr darüber als unsere Freunde und Familie – und gar wir selbst. Entsprechend gerne verlassen sich Politik und Wirtschaft auf elektronische Prophezeiungen.

Im Rahmen kultureller du sozialer Überforderungserscheinungen ist das Konzept des Liberalismus Attacken von vielen Seiten ausgesetzt. Kollektivistische und autoritäre Denkschulen und Politikmodelle erfahren Auftrieb und versprechen einfache Fragen auf komplexe Probleme. Ist das tolerante und freiheitliche Zeitalter an seinem Ende? Und was ist Liberalismus überhaupt?

Durch die Digitalisierung sind neue Formen der Öffentlichkeit entstanden. Begleitet wurde dieser Prozess regelmäßig mit verschiedenen Zukunftsvorstellungen. Einerseits erhoffte man sich durch die Verbreitung des Internet den freieren Austausch der Weltgesellschaft und Fortschritte bei der gemeinsamen Suche nach Wahrheit. Andererseits war rasch klar, dass sich die Fülle an Informationen nur mit ausgeklügelten und personalisierten Filtermechanismen – technische wie menschliche – sinnvoll nutzen lasse. Steuern wir nun also auf eine Welt der individuellen Filterblasen und abgeschlossenen Weltbilder zu?