Kognitive Verzerrungen

Wir leben in einer Welt, die immer stärker vom Umgang mit einer Unzahl von Informationen geprägt ist. Wir müssen uns zu mehr und mehr Dingen verhalten und Position beziehen. Das erfordert, dass wir uns überhaupt erst eine Meinung gebildet haben. Diese Meinung kommt aber nicht immer unter rationaler Abwägung aller Sachgründe zu Stande, sondern begründet sich vielfach auf Intuition, sozialer Wahrnehmung oder Vorurteilen. Die moderne Verhaltensforschung trübt unser Bild vom homo oeconomicus und dem rationalen Agenten, und erfordert, dass wir uns Gedanken machen, wie objektiv wir unsere Welt tatsächlich erfassen können – und welchen systematischen Verzerrungen wir erliegen.

Unser Gehirn entstand in einer Zeit lange vor der Digitalisierung und ihrem Überschusses an Informationsangeboten. Seine Entwicklung reagierte auf die Notwendigkeit, schnell reagieren zu können, nur über eine begrenzte Speicherkapazität zu verfügen – und den sozialen Zusammenhalt einer Gruppe als besonders wichtig für das eigene Überleben einzustufen. Entsprechend funktioniert es auch heute noch in vielen Dingen maßgeblich nach diesen Kriterien – und enthält uns wesentliche Dinge unserer Umwelt vor.

Erst dem deutlich später entwickelten Teilen unseres Gehirns schreiben wir das zu, was wir wohl als ‚rational‘ bezeichnen könnten. Dieser Teil reagiert deutlich langsamer als der ältere, und merkt manchmal nicht, wenn er den Vereinfachungen des ersten Teils erliegt. Dieser Einfluss wird besonders dann größer, wenn wir es mit mehr Informationen zu tun haben, als wir verarbeiten können, wir unter Zeitdruck stehen, wir die Bedeutung einer Information nicht genau einschätzen können und nicht wissen, was wir uns merken sollten.

Es wird daher besonders im ‚Informationszeitalter‘ mit seinem Überangebot und seiner Geschwindigkeit immer wichtiger, dass wir uns mit den Grenzen unseres Denkens und unserer Wahrnehmung beschäftigen. Nur so können wir versuchen, den privaten, gesellschaftlichen und politischen Risiken von Filterblasen, Voreingenommenheiten und Vereinfachungen zu entkommen.

In dieser Veranstaltung, die eine Mischung aus Vortrag, Diskussion und Experimenten darstellt, versuchen wir gemeinsam heraus zu finden, wo und warum unser Gehirn auf Vereinfachungen und Vorurteile zurück greift, und wir wir versuchen können, seltener zu ihrem Opfer zu werfen.

 

Buchempfehlungen zum Thema:
(Affiliate-Links)

Daniel Kahneman:
Schnelles Denken, langsames Denken

Cass R. Sunstein:
Infotopia: Wie viele Köpfe Wissen produzieren

 

 

Haben Sie Interesse an diesem Angebot? Dann schreiben Sie mich gerne unverbindlich an:

Bitte beachten Sie meine Datenschutzerklärung.

 

Ein Kommentar

  1. […] Kommunikationsmöglichkeiten aber auch falsche Erwartungen an die Bedingungen am Zielort. Kognitive und soziale Verzerrungen erwecken nicht immer zu erfüllende Hoffnungen. Dies kann zu Enttäuschung, Mutlosigkeit und […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.