Medienrevolution

Die Art und Weise wie eine Gesellschaft miteinander kommuniziert und Informationen verarbeitet, ist vielerlei Hinsicht maßgeblich für ihre Struktur, ihr Werte- und Ordnungssystem. Eine Gesellschaft, die nur auf Kommunikation durch das mündliche Wort beschränkt ist, muss andere Wege der Verteilung von Ressourcen und Kompetenzen finden, als eine solche, die mittels Schrift, Buchdruck oder Elektronik über immer größeren Raum und mit immer geringerer Zeitverzögerung kommunizieren kann.

Der Umbruch solcher Ordnungen erfolgt dabei niemals ohne Reibung. Vielmehr lassen sich zahlreiche aktuellen Konflikte an den Verhandlungen rund um die Möglichkeiten und Grenzen neuer Medien ausmachen. Was kann mit ihnen transportiert werden, welche Form können sie annehmen?

Der Vertrauensverlust in bestehende Expertensysteme ist Ausdruck ihrer Überforderung und gibt einen Hinweis darauf, dass die meisten ihre aktuelle Krise vermutlich nicht überleben werden.

Derzeit können wir beobachten, wie die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation nicht nur unser Sozialleben, sondern auch unser Verhältnis zu Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien umkrempeln. Es entstehen neue Ansprüche und Anforderungen, neue Sinnzusammenhänge und Abhängigkeiten müssen ausgehandelt werden.

Eine Ärztin muss sich heute ebenso damit auseinandersetzen, dass sie mit aus dem Internet gezogenen Selbstdiagnosen ihrer Patienten konfrontiert wird, wie den Weltinterpretationen klassischer Medien diejenigen aus Blog und Social Media an die Seite gestellt werden. Dabei funktioniert Ablehnung nur so lange, bis den alten Systemen erstmals auch ihrer Fehleranfälligkeit nachgewiesen werden kann. Diesen Punkt haben wir bereits überschritten und führen auch deshalb eine Diskussion um vermeintliche „Politikverdrossenheit“, die „Lügenpresse“, „FakeNews“, „Alternative Fakten“ oder die Kritik an Institutionen oder ganzen Industrien.

Digitalisierung bedeutet also mehr als die Einführung des papierlosen Büros oder die Verwendung von WhatsApp für die Unternehmenskommunikation. Der Umbruch von papiergebundene auf elektronische Kommunikation verändert die gesamte Gesellschaft – und wir tun gut daran, die Besonderheiten der elektronischen und digitalen Kommunikation genauer zu untersuchen. Nur so können wir versuchen, an sinnvollen Kultur- und Sozialtechniken mitzuarbeiten.

 

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Krieg und Frieden im globalen Dorf

Felix Stader:
Kultur der Digitalität

 

Wenn Sie Interesse haben, nicht nur einen Blick auf die Geschichte verschiedener Medien zu werfen, sondern auch etwas über die aktuellen Thesen des groben Feldes der Medientheorie zu erfahren, dann schreiben Sie mich gerne unverbindlich an.

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