Populismus, Komplexität und Identitätskrise

Populismus und Abgrenzung sind weltweit auf dem Vormarsch, – überall können wir einen Rückzug liberaler Ideen und Wertvorstellungen beobachten. Während unsere Probleme immer globaler und komplexer zu werden scheinen, fallen die Antworten scheinbar immer kleiner und einfacher aus. Wie kommt es, dass wir diese Beobachtungen rund um den Globus machen können, und was sind die tatsächlichen Ursachen?

Während die politische Ökonomie nach einem halben Jahrhundert Neoliberalismus ohnehin auf eine protektionistischere Trendwende wartet, beobachtet auch die Systemtheorie einen durch die Technik induzierten Wandel der Funktionssysteme. Die Elektronik löst das gedruckte Wort als strukturpägendes Kommunikationsmedium ab und führt zu Überforderung und Überreizung.

In Ablehnung von reiner Verwaltung von Sachzwängen und Alternativlosigkeit, von Deregulierung und ökonomischen Zwängen bei gleichzeitiger Überforderung, erstarkt das Bedürfnis, kollektive Entscheidungen wieder aus einem echten Willen heraus zu treffen; wieder „Politik zu betreiben“. Mit dieser Perspektive erfüllt das aktuelle Erstarken des Populismus vor allem die Funktion, einen Paradigmenwechsel einzuleiten und die Politik wieder in die Politik einzuführen.

Nach all diesen Ansätzen ist es völlig verständlich, dass das Vertrauen in Gesellschaft und Institutionen erschüttert ist – und wir uns nun in einer Phase befinden, die nach neuen Lösungen und Strukturen suchen muss. Es ist daher nicht verwunderlich, dass stabilisierende Begriffe wie „Kultur“, „Heimat“, „Identität“, „Nationalstaat“, „Volk“ und „Klasse“ eine Renaissance erfahren, und populistische Lösungen von rechts und links größeren Zulauf verzeichnen.

Mit einem Blick auf historische Analogien ist dies dennoch kein Aufruf zur Sorglosigkeit, sondern ein Vorschlag für einen besseren Umgang mit aktuellen Phänomenen.

 

 

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