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Schon während meiner Schulzeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie wohl die zahlreichen gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir und befanden, gelöst werden könnten. Ich bewegte mich damals in einem sehr politischen Umfeld, doch während in meinen Bekanntenkreis nicht nur viele der Meinung waren, die genauen Ursachen und klaren Lösungen für diese Probleme benennen zu können, war ich gerade der Ansicht, dies nicht tun zu können. Die Ablehnung ideologischer Gesamtkonzepte ohne die Alternative eines eigenen Vorschlag, führt mich zur Überlegung, dass es mir zukünftig vor allem um die Meinungs- und Informationsfreiheit gehen müsste. Der offene, möglichst gefällearme Austausch von Ansichten, Ideen und Perspektiven, versprach mir mit Blick auf die bisherige Menschheitsgeschichte, das beste Werkzeug zur Lösung unserer Konflikte und Herausforderungen zu sein. Mein Interesse galt also fortan vor allem dem Bestreben, Austausch zu fördern, und zu helfen, ihn wo nötig auf ein stärkeres sachliches Fundament zu stellen. Die Entwicklung des Internets, des Webs und zahlreicher Dienste lösten bei mir eine ähnliche Begeisterung aus wie wohl bei vielen anderen, von denen einige sich zumindest vorübergehend in der Piratenpartei oder ähnlichen gesinnten politischen Organisationen einfanden. Ein Schwerpunkt lag für mich also früh auf den Chancen des medialen Wandels.

„Mein Interesse galt also fortan vor allem dem Bestreben,
Austausch zu fördern,
und zu helfen,
ihn wo nötig auf ein stärkeres sachliches Fundament zu stellen.“

Von der Idee getragen, die politischen Zusammenhänge besser verstehen zu können, um dann konstruktiv auf sie Einfluss nehmen zu können, begann ich mein Jurastudium in Köln – es ging mir darum, die Sprache derjenigen zu lernen, die mir für Gesellschaft und Gesetze verantwortlich erschienen. Nach der Arbeit in politischen Gremien, einem Praktikum in der juristischen Abteilung einer Fraktion des Landtages NRW und dem Ende des staats- und strafrechtlichen Teils meines Studiums ging mir jedoch auf, dass „Politik“, im Sinne von „Regieren“ keineswegs Gesellschaftsgestaltung betrieb oder betreiben sollte, sondern ein konservatives Medium war. Es ging um das Bewahren der Ordnung auch in stürmischen Zeiten. Um das Treffen kollektiv verbindlicher Entscheidungen nach Prozessen, die vor langer Zeit festgelegt wurden. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereist Mitglied eines zunächst dreiköpfigen Teams, das vom Vorstand von Amnesty International Deutschland mit der Definition und Gründung einer Arbeitsgruppe zu Menschenrechten im Digitalen Zeitalter betraut war. Dort wurden und werden nationale und internationale Positionspapiere und Stellungsnahmen gestaltet und Mitgliederschulung betrieben. Gemeinsam suchen wir in dieser mittlerweile gewachsenen und ordentlichen Arbeitsgruppe nach ausgeglichenen Positionen zwischen den verschiedenen menschenrechtlichen Ansprüchen einer sich durch Einführung der Elektronik verändernden Gesellschaft. Dadurch reiften in mir mehrere Erkenntnisse: Nicht nur war das Medium des Rechts nicht das richtige, um sich an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen, sondern die Kenntnis seiner Funktionsweise war nicht hinreichend, um zu verstehen, welche Wirkkräfte es in einer solchen gab. Zusätzlich zeichnete sich eine zunehmende Überforderung dieses Systems ab.

In der Folge wechselte ich den Studiengang und ging nach Witten/Herdecke. Diese kleine, private Universität verfolgt aus meiner Perspektive nicht nur die richtigen organisatorischen und inhaltlichen Ansätze, um den Versuch zu unternehmen, den Herausforderungen der Netzwerkgesellschaft gewachsen zu sein, sondern bot mit dem Studiengang „Politik, Philosophie und Ökonomik“ auch genau eine solche Fächerkombination, deren Aneignung mir selbst notwendig erschien, um einen Beitrag zur Debatte leisten zu können. Hier bereicherte ich meine bis dahin gewonnene, vor allem politische und zivilgesellschaftliche Perspektive durch die Möglichkeit der sehr freien Kurswahl, des Besuchs von Konferenzen, Workshop, Vorträgen und Diskussionsrunden akademisch an. Durch meine Hilfstätigkeiten am Lehrstuhl für Kulturtheorie und Management, sowie der Gastprofessur für Friedens- und Konfliktforschung konnte ich zusätzlich vor allem einen Einblick in die Größe des Feldes und die Fülle an literarischen Beiträgen gewinnen. Das konsequente Nebeneinander von Lernen in der Universität und Lehren auf bildungspolitischen Veranstaltungen empfand ich schon damals als großen Gewinn – half es mir nicht nur, mit der unterschiedlichen Artikulation gleicher Inhalte in Kontakt zu treten, sondern die Vielseitigkeit der Welterfahrung und -bewertung niemals aus dem Blick zu verlieren.

„Das konsequente Nebeneinander
von Lernen in der Universität
und Lehren auf bildungspolitischen Veranstaltungen
empfand ich schon damals als großen Gewinn.“

Da mir zu meiner theoretischen Perspektive auf die Ökonomie noch eine praktische Perspektive fehlte, begann ich unter anderem eine Tätigkeit am Gründungszentrum in Witten. Hier kam ich nicht nur mit vielen StartUps in Kontakt, organisierte fachliche Programme von Datenschutz bis 3D-Druck, nahm an Konferenzen Teil und beriet nebenher verschiedene Gründerinnen und Gründer, sondern ich beteiligte mich im selben Zeitraum an der Gründung der ersten Datengenossenschaft nach europäischem Recht.

In den letzten Jahren hatte ich die Chance, meine gesammelten Einsichten und Thesen unter anderem vor der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Fortbildungsdienst des Auswärtigen Amtes, dem Kölner CCC, der IHK Köln und zahlreichen weiteren Partnern vorzustellen und in den Austausch zu treten. Ich war außerdem Referent mehrerer Ringvorlesungen an der Universität Köln und habe an zahlreichen Volkshochschulen und Vereinen Beiträge eingebracht. Ich bin immer noch für Amnesty International tätig, betreibe dort Mitgliederschulung, werde intern und extern als Experte gesendet und geladen, und erarbeite derzeit eine umfassende Broschüre zu Menschenrechten und Menschenrechtsarbeit im Digitale Zeitalter. Ich engagiere mich außerdem zusätzlich in sehr verschiedenen kleineren und mittleren Vereinen zur Diskussionskultur und der experimentellen Suche nach Organisationsformen der nächsten Gesellschaft.

All dies wird von meinem Versuch motiviert, eine Vielzahl von Perspektiven zu begreifen und zu einer sachlichen Artikulation zu verhelfen, um zu versuchen, die auf den anderen Seiten angesprochenen Probleme zu lösen.