Kategorie: Bildungsvorträge, Workshops und Experimente

Getrieben durch den politischen, ökonomischen und medialen Wandel spüren Menschen und Organisationen vielfach Verunsicherung. Das befeuert nicht nur Konflikte, sondern spielt denjenigen in die Hände, die einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte anbieten. Um nicht nur auf die zukünftigen Herausforderungen angemessen vorbereitet zu sein, sondern sich auch schädlichen Vereinfachungen entgegen stellen zu können, biete ich auf dieser Seite ein Auswahl an Vorträgen, Kursen, Workshops und Experimenten an.
Diese beschäftigen sich sowohl abstrakt wie konkret mit aktuellen Fragestellungen aus Politik und Gesellschaft, jeweils mit Blick auf aktuelle Veränderungen und Herausforderungen. Anders als andere Angebote zu ähnlichen Themenfeldern ist mein Fokus klar lösungs- statt problemorientiert. Es steht jeweils die Frage im Vordergrund, wie wir unter Berücksichtigungen der aktuellen Erkenntnisse über Politik, Gesellschaft und vor allem der menschlichen Natur, sinnvolle Strategien entwickeln können, mit den derzeit gegebenen und noch kommenden Herausforderungen umzugehen. Hierfür versuche ich Ansätze der politischen Ökonomie, der System- und Medientheorien, sowie der ökonomischen Verhaltensforschung zusammen zu bringen, und auf ansprechende Weise so aufzubereiten, dass sie auch einem nicht-akademischen Publikum verständlich sind.

Die elektronisch kommunizierende Gesellschaft organisiert sich zunehmen in Netzwerken die über den gesamten Globus reichen. Das verändert die Bewegung von Ideen, Waren, Personen, Dienstleistungen oder auch Krankheiten. Um in verschiedenen Situationen je angemessen reagieren zu können, lohnt es sich, einen Blick auf den Ursprung und die Funktionsweise solcher Ordnungsmuster zu…

Der Computer als sich rapide ausbreitende Technologie und die Digitalisierung als das durch ihn beförderte Konzept lösen enorme Umwälzungsprozesse aus, deren Konturen wir nur unscharf zu erkennen beginnen. Wenn Gesellschaft sich über Kommunikation konstituiert, dann bedeutet der Übergang von der schriftlichen zur elektronischen Kommunikation einen Umbruch, der in seiner Bedeutung nicht nur der Dampfmaschine, sondern der Schrift gleich gesetzt werden kann.

Die Art und Weise wie eine Gesellschaft miteinander kommuniziert und Informationen verarbeitet, ist vielerlei Hinsicht maßgeblich für ihre Struktur, ihr Werte- und Ordnungssystem. Eine Gesellschaft, die nur auf Kommunikation durch das mündliche Wort beschränkt ist, muss andere Wege der Verteilung von Ressourcen und Kompetenzen finden, als eine solche, die mittels Schrift, Buchdruck oder Elektronik über immer größeren Raum und mit immer geringerer Zeitverzögerung kommunizieren kann.

Der Umbruch solcher Ordnungen erfolgt dabei niemals ohne Reibung. Vielmehr lassen sich zahlreiche aktuellen Konflikte an den Verhandlungen rund um die Möglichkeiten und Grenzen neuer Medien ausmachen. Was kann mit ihnen transportiert werden, welche Form können sie annehmen?

Der Vertrauensverlust in bestehende Expertensysteme ist Ausdruck ihrer Überforderung und gibt einen Hinweis darauf, dass die meisten ihre aktuelle Krise vermutlich nicht überleben werden.

Die Digitalisierung erfasst nicht nur private oder wirtschaftliche, sondern natürlich auch politische und rechtliche Prozesse. Chancen und Risiken sind dabei oftmals eng miteinander verbunden. Eine Transparenz privater und öffentlicher Prozesse ist beispielsweise Schutz für Menschenrechtsaktivist*innen und gleichzeitig eine Gefahr für die Privatsphäre. Die Möglichkeiten des Netzes erleichtern es Aufmerksamkeit für Missstände zu generieren, gefährden aber auch die Menschenwürde. Gestiegene Transparenz ermöglicht eine bessere Kontrolle des Staates, gefährdet aber auch die Privatsphäre. in einfacher Ausgleich ist daher oft schwer zu finden. 

Die Demokratie gilt nicht nur deswegen als gute Staatsform, weil sie von allen bekannten Modellen am besten geeignet erscheint, den tatsächlichen Willen der Bevölkerung widerzuspiegeln, sondern auch, weil sie geeignet sei, das verteilte Wissen der Vielen politisch nutzbar zu machen. „Demokratisierung“ kann in machen Kontexten gar als Synonym für „Fortschritt“ gedacht werden. Als einziger Anwärter, der in Frage kommen würde, dieses Modell – in all seinen unterschiedlichen Facetten, mit denen es auf der Welt vorkommt – noch zu übertrumpfen gilt manchen die „direkte“ Demokratie. Die Digitalisierung lässt diese Positionen lauter werden, und fordert ein „Update unseres“ bestehenden Systems.

In Anbetracht dieser Entwicklungen lohnt es sich, einen Blick auf die Risiken und Chancen von verschiedenen demokratischen Diskursverfahren zu werfen und die wichtige Frage zu stellen: Wann sind die Vielen tatsächlich schlauer als die Wenigen – und wann ist es umgekehrt?

Wenn wir „Identität“ als vollständige Übereinstimmung mit einer bezeichneten Sache verstehen wollen, dann ergeben sich für dieses Konzept derzeit mehrere Schwierigkeiten. Einerseits verlangt das Hereinbrechen der elektronisch vermittelten Globalisierung, uns zu vielen Dingen neu oder erstmals zu positionieren. Wir müssen hier gewöhnlich erst herausfinden, mit was wir „übereinstimmen“ möchten. Andererseits kann diese Zuordnung auch immer nur in Abgrenzung von etwas anderem geschehen. Wir müssen also definieren, was alles nicht zu uns gehört. Hinzu kommt, dass die durch technische Prozesse stark gestiegene Transparenz unserer Lebensaspekte den Druck zur Authentizität erhöht. Punktuelle Abweichungen vom gesellschaftlichen Durchschnitt sind heute tolerierter als früher, müssen aber ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Individuelle, als auch kollektive Identität liegt also vielfach neu auf dem Verhandlungstisch, und noch nie waren es so viele Teilnehmer*innen(!), die um ihre Deutung und Bedeutung gerungen haben.

Egal ob rechts oder links, religiös oder technokratisch: Populismus, Vereinfachungen, Verschwörungstheorien und Abgrenzung sind auf dem Vormarsch. Während unsere Probleme immer globaler und komplexer zu werden scheinen, fallen so die Antworten immer kleiner und einfacher aus. Wir schließen unsere Grenzen, seien es jene ´von Staaten, Organisationen oder Weltbildern. Das kann hilfreich sein um Komplexität zu reduzieren – aber auch gefährlich, wenn wir es übertreiben.

Die Macht der Computer scheint unbegrenzt. Ihre Algorithmen erfassen und bewerten unsere gesamte Lebenswelt und scheinen jeden einzelnen von uns berechenbar zu machen. Egal ob es um unsere Konsumentscheidungen, unsere politischen Überzeugungen oder unsere sexuelle Orientierung geht – es heißt, der Computer wüsste mehr darüber als unsere Freunde und Familie – und gar wir selbst. Entsprechend gerne verlassen sich Politik und Wirtschaft auf elektronische Prophezeiungen.

Durch die Digitalisierung sind neue Formen der Öffentlichkeit entstanden. Begleitet wurde dieser Prozess regelmäßig mit verschiedenen Zukunftsvorstellungen. Einerseits erhoffte man sich durch die Verbreitung des Internet den freieren Austausch der Weltgesellschaft und Fortschritte bei der gemeinsamen Suche nach Wahrheit. Andererseits war rasch klar, dass sich die Fülle an Informationen nur mit ausgeklügelten und personalisierten Filtermechanismen – technische wie menschliche – sinnvoll nutzen lasse. Steuern wir nun also auf eine Welt der individuellen Filterblasen und abgeschlossenen Weltbilder zu?